{"id":3485,"date":"2015-09-08T08:01:20","date_gmt":"2015-09-08T06:01:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.strasbourginstitute.org\/?p=3485"},"modified":"2021-11-18T10:15:38","modified_gmt":"2021-11-18T09:15:38","slug":"49-internationales-okumenisches-seminar-2015-kunst-und-okumene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ecumenical-institute.org\/en\/2015\/09\/08\/49-internationales-okumenisches-seminar-2015-kunst-und-okumene\/","title":{"rendered":"49. Internationales \u00d6kumenisches Seminar 2015: Kunst und \u00d6kumene"},"content":{"rendered":"<p>Die Trennung der Christen ist in ihren Institutionen und am Altar sichtbar. Die getrennten Christen singen jedoch dem dreieinigen Gott dieselben Lobges\u00e4nge; sie lassen sich von denselben wunderbaren Kathedralen und Kirchen inspirieren, die bereits vor ihrer Trennung existierten; sie lassen sich durch dieselben Ikonen, Gem\u00e4lde und Skulpturen biblischer Szenen bewegen; und sie lesen dieselben Romane und sehen sich dieselben Filme an, die die Bedeutung des christlichen Glaubens aufgreifen. Ob wir es erkennen oder nicht, es besteht unter den Christen eine gro\u00dfe Einheit in der Kunst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese bisher wenig erforschte Einheit in der Kunst war das Thema des Sommerseminars im Juli. Nach einer Einf\u00fchrung in die Problematik und die M\u00f6glichkeiten der Kunst durch den Direktor des Instituts, Prof. Dr. Theodor Dieter, h\u00f6rten wir eine Darstellung \u00fcber die Psalmen, die zur \u00e4ltesten Literatur von Juden und Christen geh\u00f6ren. Prof. Dr. Mark Elliott von der St. Andrew\u2019s Universit\u00e4t in Schottland f\u00fchrte uns auf dieser Reise durch die Geschichte der Verwendung der Psalmen in verschiedenen christlichen Gemeinschaften.[singlepic id=466 w=320 h=240 float=left]<\/p>\n<p>Auf seinen Vortrag folgte das Referat von Prof. Dr. Matthew Milliner vom Wheaton College in den USA zum Thema \u201e\u00d6kumene in bildender Kunst\u201c. Als Kunsthistoriker beschrieb Milliner mehrere christliche Themen in der bildenden Kunst, die \u00fcber konfessionelle Trennungen hinausgehen. Dies zeigte er am eindrucksvollsten an der Passionsikone von der Jungfrau Maria. Sie stammt aus Zypern und entstand in der schweren Zeit der Verw\u00fcstungen durch die Kreuzz\u00fcge und fand dann allm\u00e4hlich ihren Weg in den Westen.<\/p>\n<p>Am Freitagmorgen entwickelte Prof. Dr. Ottmar Fuchs eine weit reichende theologische Reflexion \u00fcber Gericht und Gnade, ausgehend von dem Film \u201eDie Frau, die singt\u201c. Dieser Film nimmt das Theaterst\u00fcck \u201eVerbrennungen\u201c des libanesischen Dichters Wajdi Mouawad auf. Vor dem Hintergrund unvorstellbarer Gr\u00e4ueltaten im libanesischen B\u00fcrgerkrieg stellt der Film die Frage nach einer allumfassenden Vergebung trotz sch\u00e4rfster Anklage des Verbrechers.<\/p>\n<p>Prof. Sooi Ling Tan, die an drei Hochschulen in Malaysia sowie am Fuller Seminary in den USA lehrt, gab uns eine \u00dcbersicht \u00fcber die Geschichte moderner popul\u00e4rer<em> <\/em>christlicher Musik. Dies ist eine der erfolgreichsten Kunstformen aller Zeiten, die Konfessionsgrenzen \u00fcberschreitet. Das Referat bot Gelegenheit zum H\u00f6ren moderner christlicher Musik und zum Mitsingen.<\/p>\n<p>Passend zum Thema \u201eKunst und \u00d6kumene\u201c unternahmen wir eine \u201eExkursion\u201c zu dem gro\u00dfen, wundersch\u00f6nen M\u00fcnster in Strasbourg. Wir hatten die Ehre, eine F\u00fchrung von Erzbischof em. Joseph Dor\u00e9 zu erhalten. Er kennt das M\u00fcnster sehr gut und hat bedeutende Werke dar\u00fcber geschrieben. Er zeichnete f\u00fcr uns somit ein theologisches Portr\u00e4t einer erstaunlichen Kirche.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Meinrad Walter, ein katholischer Spezialist f\u00fcr Johann Sebastian Bach, sprach am Samstagmorgen. Er illustrierte die vielen \u00fcberraschenden Weisen, wie das Werk des gro\u00dfen Komponisten eine fr\u00fche \u201eGemeinsame Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre\u201c darstellt, indem es Themen zusammenbringt, die \u00fcber die Trennungen zwischen Katholiken und Protestanten im 18. Jahrhundert hinausgehen. Die Teilnehmenden hatten auch die Gelegenheit, in einer Strasbourger Kirche die begeisternde Auff\u00fchrung von zwei Bach-Kantaten zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>An einem Abend wurde der Film \u201eAll Is Lost\u201c gezeigt. Es ist die Geschichte \u2013 fast ohne Worte \u2013 eines Mannes, der allein in gr\u00f6\u00dfter und sich steigernder Seenot auf hoher See treibt \u2013 und schlie\u00dflich gerettet wird. Am Montag sprach Prof. Dr. Hans Martin Dober \u00fcber Filme aus theologischer und \u00f6kumenischer Perspektive und baute auf die geheimnisvollen Themen\u00a0 von Schicksal und Gegenwart\u00a0in \u201eAll Is Lost\u201c auf.<\/p>\n<p>Die Seminarteilnehmer h\u00f6rten ferner einen orthodoxen Beitrag von Emanuel Dobre, einem Doktoranden an der Universit\u00e4t Strasbourg. Er untersuchte die Art und Weise, wie Schrift und Ikonen dasselbe Zielverfolgen &#8211; Christus den Gl\u00e4ubigen gegenw\u00e4rtig zu machen.<\/p>\n<p>Prof. Sarah Hinlicky Wilson vom Institut sprach \u00fcber die bekannte katholische amerikanische Schriftstellerin Flannery O\u2019Connor. In ihren dunklen und beunruhigenden Geschichten geht es fast immer um Protestanten, trotz ihres starken und brennenden katholischen Engagements. Die Briefe O\u2019Connors zeigen auch ihre komplexen und sich ver\u00e4ndernden Meinungen \u00fcber verschiedene christliche Gruppen und veranschaulichen viele der Grundeinsichten der \u00d6kumene.<\/p>\n<p>Am letzten Tag er\u00f6rterte Prof. Theodor Dieter die \u00f6kumenische Bedeutung der Tatsache, dass sich im neuen deutschen katholischen Gesangbuch \u201eGotteslob\u201c zahlreiche Lieder lutherischer Autoren finden. Dazu untersuchte er zwei Lieder Martin Luthers (\u201eAus tiefer Not schrei ich zu dir\u201c, \u201eVom Himmel hoch, da komm ich her\u201c) und ein Lied des lutherischen Pfarrers Paul Gerhardt (\u201eDie g\u00fcldne Sonne\u201c). Dabei wurde deutlich, wie der Ausgang von einem Psalmtext oder die Konzentration auf die Person Christi oder die Aufnahme einer menschlichen Grundsituation (das religi\u00f6se Wahrnehmen des\u00a0 Tagesbeginns) es erm\u00f6glichen, \u00fcberkonfessionelle Gemeinsamkeiten herzustellen. Dazu tr\u00e4gt auch bei, dass die Poesie es erm\u00f6glicht, Theologie in pr\u00e4gnanter und eing\u00e4ngiger Weise darzustellen.<\/p>\n<p>Ein Highlight des Seminars war das \u201e\u00f6kumenische Singen\u201c, bei dem die Gruppe unter der Leitung der Teilnehmer Ruth und John Rollefson beliebte christliche Lieder aus der ganzen Welt und \u00fcber alle konfessionellen Grenzen hinweg sang.<\/p>\n<p>Der abschlie\u00dfende Vortrag von J\u00e9r\u00f4me Cottin von der Fakult\u00e4t f\u00fcr evangelische Theologie der Universit\u00e4t Strasbourg brachte die vielen verschiedenen Themen des Seminars zusammen, indem er typische konfessionelle Werke von Protestanten und Katholiken betrachtete. Er zeigt dann Werke moderner christlicher K\u00fcnstler, die ihre konfessionelle Zugeh\u00f6rigkeit bewusst herunterspielen und einen eher abstrakten Kunststil w\u00e4hlen, um Grenzen zu \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem h\u00f6rten wir viele Kurzreferate von Teilnehmern \u00fcber verschiedene Themen, von Musik, zur Malerei bis zum Theater. Der Sonntagsausflug f\u00fchrte uns zu dem wunderbaren Isenheimer Altar in Colmar sowie zu einer renovierten, von einem Graffiti-K\u00fcnstler gestalteten katholischen Kirche in Deutschland. Darauf folgte eine Weinprobe und Flammenkuchen.<\/p>\n<p>Das Seminar war unerwarteterweise gekennzeichnet durch eine unglaubliche Hitzewelle, aber gleichzeitig auch durch eine au\u00dferordentlich positive und freundliche Stimmung, insbesondere bei dem \u201eChor-Wettbewerb\u201c am zweiten Abend des Seminars. Der Stab freute sich \u00fcber die Teilnahme von Personen aus 21 L\u00e4ndern und 6 verschiedenen Kirchen.<\/p>\n<p>Die Daten f\u00fcr das n\u00e4chstj\u00e4hrige Seminar sind 4.- 11. Juli 2016. Das Thema ist der lutherisch\/r\u00f6misch-katholische Dialog zu Ehren des 65. Geburtstags von Prof. Dr. Theodor Dieter. Halten Sie das Datum schon jetzt in Ihrem Kalender fest!<\/p>\n<p>Bilder vom Seminar:\u00a0[nggallery id=26]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wundersch\u00f6ne Bilder, die uns Pfarrer Hans-Joachim Jeromin freundlicherweise zur Verf\u00fcgung stellt:<a title=\"Bilder aus der Dropbox\" href=\"https:\/\/www.dropbox.com\/sh\/pq6zv60zl9fmohr\/AAAqX0svKhtxJPBR2eyuV_hqa?dl=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Bilder aus der Dropbox<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[box title=&#8220;Vortr\u00e4ge&#8220; color=&#8220;#326565&#8243;]<\/p>\n<p>Hans Martin Dober,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Wie-kann-man-\u00fcber-Filme-predigen-Dober.pdf\">Wie kann man \u00fcber Filme predigen?<\/a><\/p>\n<p>Emanuel Dobre,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/DOBRE_The-Icon-and-the-Word-of-God_updt.pdf\">The Icon and the Word of God<\/a>\u00a0(auf Franz\u00f6sisch)<\/p>\n<p>J\u00e9rome Cottin,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/COTTIN-texte-.pdf\">D&#8217;un art confessionnel \u00e0 un oecum\u00e9nisme par l&#8217;art: quelques jalons (16e-21e si\u00e8cles)<\/a><\/p>\n<p>Mark Elliott,<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Elliott-Psalms.pdf\">Biblical Praise and Poetry: The Ec<\/a><a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Elliott-Psalms.pdf\">umenical Significance of the Psalter<\/a><\/p>\n<p>Matthew Milliner,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Milliner-Altars-on-the-Jordan-Rhine.docx\">Milliner, Altars on the Jordan &amp; Rhine<\/a><\/p>\n<p>Sooi-Ling Tan,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Tan-Contemporary-Religious-Music.docx\">Contemporary Religious Music<\/a><\/p>\n<p>Sarah Hinlicky Wilson,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/SHW-Flannery-O\u2019Connor.docx\">Death and Ecumenism in Flannery O\u2019Connor&#8217;s Fiction<\/a><\/p>\n<p>[\/box] <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Trennung der Christen ist in ihren Institutionen und am Altar sichtbar. 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