{"id":6104,"date":"2019-08-12T13:26:46","date_gmt":"2019-08-12T11:26:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/?p=6104"},"modified":"2021-11-17T12:59:21","modified_gmt":"2021-11-17T11:59:21","slug":"seminar-2019-lehre-trennt-spiritualitat-eint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ecumenical-institute.org\/en\/2019\/08\/12\/seminar-2019-lehre-trennt-spiritualitat-eint\/","title":{"rendered":"Seminar 2019: Lehre trennt &#8211; Spiritualit\u00e4t eint?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Summer-Seminar-2019-a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6110\" title=\"Summer Seminar 2019-a\" src=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Summer-Seminar-2019-a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Das Thema des diesj\u00e4hrigen internationalen \u00f6kumenischen Sommerseminars, das das Institut f\u00fcr \u00d6kumenische Forschung in Strasbourg vom 3. bis 10. Juli veranstaltete, lautete: \u201eLehre trennt \u2013 Spiritualit\u00e4t eint?\u201c <!--more--> In seinem Einf\u00fchrungsvortrag hat Prof. Dr. Theodor Dieter dargelegt, dass die These \u201eLehre trennt\u201c zugleich zutreffend und nicht zutreffend ist. Sie trifft nicht zu, wenn \u00f6kumenische Dialoge den trennenden Charakter von Differenzen \u00fcberwunden haben und sie kirchlich rezipiert worden sind wie im Fall der Leuenberger Konkordie (1973) zwischen lutherischen, reformierten und unierten Kirchen in Europa. Die These trifft hingegen zu etwa im Fall der Ablehnung der eucharistischen Gastbereitschaft zwischen der r\u00f6misch-katholischen Kirche und evangelischen Kirchen. Hier sehen viele Theologen und Kirchenleiter trennende Unterschiede in Lehre und Praxis. Und doch trifft gerade in dieser Frage die These, dass Lehre trennt, wiederum nicht zu, wenn man n\u00e4mlich an viele Christenmenschen in den Kirchen denkt, die die Traditionen ihrer Kirchen vergessen haben und gar nicht verstehen k\u00f6nnen, warum ein gemeinsames Abendmahl nicht m\u00f6glich sein sollte. Die Kirchen haben als Institutionen f\u00fcr eine gro\u00dfe Zahl von Menschen viel an Bedeutung verloren; das gilt dann auch f\u00fcr ihre Lehren. Diese Lehren finden wenig Resonanz. Demgegen\u00fcber sind viele Formen von Spiritualit\u00e4t attraktiv geworden. Ein Slogan dr\u00fcckt das so aus: \u201eKirche ist out, Spiritualit\u00e4t ist in.\u201c Viele Christen \u00fcbernehmen Praktiken von Spiritualit\u00e4t, die urspr\u00fcnglich in anderen Kirchen beheimatet sind. So lohnt es sich zu fragen, ob und wie bestimmte Formen von Spiritualit\u00e4t Menschen aus verschiedenen Kirchen miteinander verbinden oder unter Umst\u00e4nden auch neue Gr\u00e4ben schaffen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Corinna Dahlgr\u00fcn (Jena) hat in ihrem Vortrag \u201eWas ist Spiritualit\u00e4t?\u201c das weite und diffuse Feld dessen, was man \u201echristliche Spiritualit\u00e4t\u201c nennen kann, strukturierend beschrieben: als Antwort auf den Ruf Gottes vom Doppelgebot der Liebe her, im Bezug des Einzelnen und der Gemeinschaft, mit der Aufgabe der Unterscheidung der Geister und der Bedeutung eines geistlichen Ratgebers. Sie hat anschlie\u00dfend verschiedene Formen der Gottsuche unterschieden.<\/p>\n<p>Bisch\u00f6fin Dr. Karin Johannesson (Uppsala, Schweden) hat sich mit einer bestimmten lutherischen Tradition, die gegen\u00fcber Fragen von Fr\u00f6mmigkeit und Spiritualit\u00e4t reserviert oder ablehnend ist, auseinandergesetzt. Sie hat die Herausforderung dieser Tradition durch Lehrerinnen und Lehrer des Karmeliterordens (Theresa von Avila, Johannes vom Kreuz und vor allem Th\u00e9r\u00e8se von Lisieux, 1873-1897) dargestellt und gezeigt, wie diese helfen k\u00f6nnen, bestimmte theologische und geistliche Motive Martin Luthers wieder zu entdecken. So kommt es zu einer wechselseitigen Resonanz von Motiven Luthers und des Karmel. Bisch\u00f6fin Johannesson hat erl\u00e4utert, welche Bedeutung eine solche Begegnung f\u00fcr das postmoderne Schweden haben kann.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Asamoah-Gyadu (Legon, Ghana) sprach \u00fcber \u201c\u2019Holy Spirit Poured Out on All Flesh\u2019: Pentecostal\/Charismatic Spirituality and Uniting Elements of African Churches\u201d. Er skizzierte die Geschichte der Pfingstbewegung von ihren<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1000977-a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6111\" title=\"P1000977-a\" src=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1000977-a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a> Anf\u00e4ngen und erl\u00e4uterte dies aus biblischer Perspektive mit den Begriffen \u201cVerhei\u00dfung (des Heiligen Geistes)\u201d, \u201cErf\u00fcllung\u201d und \u201cErfahrung\u201d. Hier spielen das Evangelium des Lukas und die Apostelgeschichte eine besondere Rolle, weil die \u00dcberzeugung besteht, dass die machtvollen Geist-Ereignisse, die in diesen B\u00fcchern geschildert werden, nicht auf die Zeit der Apostel begrenzt sind. Auch wenn die Pfingstbewegung im Lauf der Zeit zu einer Denomination (mit der Unterscheidung, wer dazu geh\u00f6rt und wer nicht) geworden ist, sollte sie zuerst in der Perspektive der Spiritualit\u00e4t gesehen werden, die sich in jeder Denomination finden kann, mit den Merkmalen einer Demokratisierung der Charismen, einer \u201eoral theology\u201c und einem besonderen Sinn f\u00fcr Gemeinschaft. Viele Kirchen in Afrika teilen diese Spiritualit\u00e4t, ohne sich als pentekostal zu verstehen oder zu nennen. Darin liegt die verbindende Kraft dieser Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Etienne Vet\u00f6 (Gregoriana, Rom) hat \u00fcber die von Frankreich ausgehende, inzwischen in vielen L\u00e4ndern t\u00e4tige geistliche Bewegung des <em>Chemin neuf<\/em> gesprochen. In ihr verbinden sich auf interessante Weise zwei ganz unterschiedliche Formen von Spiritualit\u00e4t: die disziplinierte Form der geistlichen \u00dcbungen des Ignatius von Loyola und die eher spontane, impulsive Fr\u00f6mmigkeit der Charismatiker. Prof. Vet\u00f6 legte dar, wie sich beide Formen befruchten und die Bewegung kraftvoll machen.<\/p>\n<p>Eine andere Verbindung von Spiritualit\u00e4ten legte Schwester Dr. Nicole Grochowina von der Christbruderschaft in Selbitz (Bayern) dar. Dieser evangelische Orden hat ein franziskanisches Gepr\u00e4ge und steht inzwischen in Gemeinschaft mit den franziskanischen Kl\u00f6stern. Schwester Nicole erl\u00e4uterte die Begegnung der Spiritualit\u00e4ten mit dem Begriff der Freundschaft, der eine wechselseitige Bereicherung ohne Verlust der eigenen Identit\u00e4t anzeigt. Sie erl\u00e4uterte, wie diese Freundschaft die Geschichte und das Profil ihres Ordens in kreativer Weise bestimmt.<\/p>\n<p>Am Samstag sprach der weltweit anerkannte und gesch\u00e4tzte Geigenbauer Martin Schleske \u00fcber das Thema \u201eGeigenbau als Gebet der H\u00e4nde \u2013 Das betende Leben als heilige Kunst\u201c. Auf eine bewegende, sehr inspirierende Weise entwickelte er\u00a0<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010058-a1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6116\" title=\"P1010058-a\" src=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010058-a1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>aus den Schritten des Geigenbaus, seinen eindringenden Beobachtungen und Reflexionen Einsichten in die menschliche Existenz und das geistliche Leben, \u00fcber Stille, H\u00f6ren, Resonanz, Klang, Sch\u00f6nheit, Freundschaft mit Jesus, Eintauchen in das biblische Wort, bis dahin, dass ihm das sch\u00f6pferische Tun des Geigenbaus zum Gebet wird. In einem zweiten Teil hat Schleske den Dreiklang, von dem Paulus in R\u00f6m 15,18 spricht: Wort \u2013 Werk \u2013 Wunder, zum Ausgangspunkt genommen. Danach soll der Glaube zum Instrument der Gnade werden, damit die Gnade in der Welt wirken kann, so dass Heilloses heil und Krankes gesund wird. Es braucht dazu nach Markus 11,23 keinen gro\u00dfen Glauben, sondern einen Glauben, \u201eder sich von der Gnade spielen l\u00e4sst\u201c. Glaube ist Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr das Wirken der Gnade, Lauschen auf das, was die Gnade wirken will, Einswerden mit ihr. Das ist ein Weg nicht des Wissens, sondern des Erkennens, ein Weg, etwas zu wagen mit der Bereitschaft, entt\u00e4uscht zu werden und so zu lernen. Das ist eine Spiritualit\u00e4t, die jenes Jesus-Wort ernstnimmt.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Julie Ma (Korea\/USA) hat die kraftvolle Ausbreitung der Pfingstbewegung in Asien an den Beispielen von Korea, Myanmar, Philippinen und Indien dargestellt. Sie ist charakterisiert durch die Betonung der Taufe im Heiligen Geist und eine intensive Erwartung \u00fcbernat\u00fcrlichen Eingreifens Gottes in Gestalt von Heilungen, durch Gebetsbewegungen (Gebet und Fasten, Gebetsberg in Korea), die Bildung von Netzwerken von kleinen geistlichen Gemeinschaften (\u201eZellen\u201c) und ein umfassendes soziales Engagement f\u00fcr die Notleidenden. W\u00e4hrend die traditionellen Kirchen die Pfingstbewegung lange abgelehnt haben, werden sie nun auf Grund von deren starkem Wachstum ihrerseits von dieser Bewegung stark beeinflusst und \u00f6ffnen sich ihr.<\/p>\n<p>Rainer Harter, Gr\u00fcnder und Leiter des \u00fcberkonfessionellen Gebetshauses in Freiburg, stellte dieses Haus, in dem 24 Stunden sieben Tage die Woche gebetet wird, vor. Er erl\u00e4uterte den biblischen (von 1 Chr 16,4 bis Offb 4,8) und kirchengeschichtlichen Hintergrund (u.a. Cluny, Zinzendorf). Schwerpunkte sind die Intimit\u00e4t der Begegnung mit Gott, die Sch\u00f6nheit des Gebets, die Heiligung und die Einheit der Kirche. Das Gebetshaus strahlt aus auf die Kirchen und auf die Stadt. Es hat 140 Mitarbeiter, 30 davon sind angestellt; sie leben alle von Spenden. In Deutschland gibt es mehr als 20 solcher Gebetsh\u00e4user.<\/p>\n<p>Dr. Anna Briskina-M\u00fcller (Halle-Wittenberg) hat aus orthodoxer Perspektive Aspekte, in denen orthodoxe und evangelische Theologie und Fr\u00f6mmigkeit konvergieren, dargestellt.<\/p>\n<p>Fr\u00e8re Richard aus Taiz\u00e9 hat den \u201egeistlichen Weg von Taiz\u00e8\u201c anhand der Geschichte dieser Gemeinschaft erl\u00e4utert. Nach Fr\u00e8re Roger gibt es keine Spiritualit\u00e4t und Theologie <em>von<\/em> Taiz\u00e9; Taiz\u00e9 soll nicht eine Form neben oder gar in Konkurrenz<a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010134-a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6117\" title=\"P1010134-a\" src=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010134-a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a> zu anderen Formen sein. Wohl aber gibt es Spiritualit\u00e4t <em>in<\/em> Taiz\u00e9; es ist wie eine Quelle, zu der Pilger kommen, um dann wieder weiter zu ziehen und in ihre Kirchen zur\u00fcckzukehren. Die kurze Form der Ges\u00e4nge hat sich anfangs als Notma\u00dfnahme entwickelt angesichts der vielen vor allem jungen Menschen, die aus vielen verschiedenen L\u00e4ndern kamen. Um sie nicht im Gottesdienst aus sprachlichen Gr\u00fcnden auszuschlie\u00dfen, musste man einfache Ges\u00e4nge haben, die man wiederholt hat. Damit hat man alte Gebetsformen neu entdeckt. Schriftlesung und Ges\u00e4nge sind die elementaren Formen; Vers\u00f6hnung der christlichen Traditionen ist das Ziel.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich hat Pater Dr. Augustinus Sander OSB unter dem Titel \u201eDas Stundengebet als \u00f6kumenische Chance\u201c in das Stundengebet als weit verbreitete Grundform des Betens eingef\u00fchrt: als Beten in der Gegenwart Gottes, in der Hilfsbed\u00fcrftigkeit des Beters, als trinitarische Wirklichkeit, als Gebet der Psalmenfr\u00f6mmigkeit, als christozentrisches Gebet in der Osterwirklichkeit, als pers\u00f6nliches Gebet in Verbindung mit dem Gebet des Herrn. Erg\u00e4nzt durch weitere Themen, die in Arbeitsgruppen er\u00f6rtert wurden, wurde den Teilnehmern und Teilnehmerinnen am Seminar eine gro\u00dfe F\u00fclle von Elementen und Aspekten der Spiritualit\u00e4t vorgestellt, die sie herausforderten und anregten und \u00fcber deren \u00f6kumenische Relevanz nachdenken lie\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010065-a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-6113\" title=\"P1010065-a\" src=\"https:\/\/www.strasbourginstitute.org\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/P1010065-a-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Der Sonntagsausflug ging nach Waldersbach, einem Dorf tief in den Bergen der Vogesen, wo Pfarrer Oberlin (1740 bis 1826) 59 (!) Jahre als Pfarrer wirkte: als Prediger und Bildungsreformer (Erfindung der Vorschulerziehung, faktisch Einf\u00fchrung der Schulpflicht in seinen D\u00f6rfern lange vor Einf\u00fchrung der allgemeinen Schulpflicht), Pietist und Aufkl\u00e4rer, Wirtschaftsreformer und F\u00f6rderer der medizinischen Versorgung, Experte in Physiognmik, Korrespondenz mit viele wichtigen Personen Europas. In der alten Kirche Pfarrer Oberlins haben wir Gottesdienst gehalten. Nach dem Mittagessen in einer Ferme Auberge ging es bei herrlichem Wetter auf den heiligen Berg des Elsass, den Odilienberg, mit wunderbarer Aussicht in das Rheintal. Es folgten eine ausgiebige Weinprobe und der Abschluss mit dem f\u00fcr die Gegend typischen Tarte-Flamb\u00e9e-Essen.<\/p>\n<p>Das Seminar wurde mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Kirche St. Pierre-le-Jeune in Strasbourg abgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[nggallery id=55] <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema des diesj\u00e4hrigen internationalen \u00f6kumenischen Sommerseminars, das das Institut f\u00fcr \u00d6kumenische Forschung in Strasbourg vom 3. bis 10. 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